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Ein maritimes Grossereignis - das Hafenfest in Hamburg

Carl Rudolph Bromme Gesellschaft
Herausgegeben von in Algemein ·

Bericht von Oberst i Gst Jürg Kürsener

Mitglieder der Bromme Gesellschaft unter Leitung des engagierten und initiativen Joachim Kaiser waren vor kurzem erneut Gast der deutschen Marine. Die Fregatte Sachsen und das Segelschulschiff Gorch Fock waren einzigartige Plattformen für die Gäste, um Zeugen des Hamburger Hafenfestes zu sein.

Aus Anlass des Geburtstages des Hamburger Hafens findet jedes Jahr anfangs Mai ein grosses Hafenfest statt, Offiziell war es dieses Mal der 824. Geburtstag dieser maritimen Grossanlage. Seit 1977 wird der Anlass stets mit einer riesigen Schiffsparade und dem Besuch von unzähligen Einheiten aus aller Welt gefeiert. Dabei zählen Kreuzfahrtschiffe, Handelsschiffe, Segelschulschiffe, Grosssegler, Kriegsschiffe und hunderte von Kleinbooten zu den Gästen. Viele von ihnen machen im Bereiche der Landungsbrücken und der Überseebrücke fest und können von Interessierten über ein Wochenende besichtigt werden. Ziel war es dieses Jahr, über 1,5 Millionen Besucher an dieses viertägige Volksfest anzulocken.

Zu den Kriegsschiffen der deutschen Flotte gehörten dieses Mal als Flaggschiff die moderne Fregatte der Klasse 124
Sachsen und das Segelschulschiff Gorch Fock sowie der kanadische Zerstörer HMCS Iroquis und der brandneue britische Zerstörer HMS Defender.

Begonnen hatte die Teilnahme der Sachsen am Dienstag vor dem Hafenfest mit dem Auslaufen aus Wilhelmshaven. Vielleicht war die dortige Präsenz von weiteren Kriegsschiffen rein zufällig sehr gering. Vielleicht war sie aber Ausdruck der infolge sinkender Verteidigungsbudgets schrumpfenden Bestände oder ein Zeichen dafür, dass das verstärkte Engagements der deutschen Marine in weltweiten Einsätzen zwangsläufig zu einer geringeren Präsenz zuhause führt. Zu diesen Einsätzen gehören heute unter anderem die Beschickung der Standing NATO Maritime Group 1 und 2 (SNMG 1 und 2), der UNIFIL vor Libanon, der Teilnahme am Antipirateneinsatz ATALANTA vor Somalia, sowie an weiteren Übungen und Ausbildungsfahrten.



Die
Sachsen ist eine Fregatte der Klasse 124 und gehört mit ihrem phased arry L-3D Radar zu den modernsten Luftabwehreinheiten nicht nur der deutschen Marine, sondern weltweit. Ein Schwesterschiff, die Hamburg, hat in der ersten Jahreshälfte 2013 als integraler Teil der Flugzeugträger-Kampfgruppe USS Dwight D. Eisenhower im Mittelmeer und Arabischen Meer gedient. Die Sachsen verdrängt maximal 5’600 Tonnen, ist 143 m lang und weist eine Besatzung von etwa 250 Männern und Frauen auf. Der Bau des Schiffes hat annähernd eine halbe Milliarde Euro gekostet. Die fast 30 Knoten (55 km/h) schnelle Fregatte wird von einer Gasturbine und zwei Dieselmotoren angetrieben. Sie verfügt über eine Bewaffnung von acht Harpoon-Schiff-Schiff Flugkörper-Werfern, über Standard SM-2 Schiff-Luft Flugkörper in 32 Vertikalstart-Kanistern, ein 7,6 cm Oto Melara Geschütz, zwei RAM Systeme (Nahbereichs-Flugkörperabwehr) sowie über sechs Torpedorohre. Ferner kann sie in den beiden Hangars heute zwei Sea Lynx und dereinst zwei NH-90 Helikopter mitführen. Beide Typen sind u.a. zur Ubootabwehr befähigt.

Wilhelmshaven entschwand in der Ferne. Unter Führung des Kommandanten, Fregattenkapitän Andreas Krug, ging es vorbei an der riesigen neuen Anlage des Jade Weserports in die Nordsee, vorbei an Helgoland und zahlreichen gut erkennbaren Windparks in Küstennähe. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang und einem ruhigen Nachtmarsch fuhr die
Sachsen am folgenden Tag um 0700 bei Cuxhaven in die Elbe ein. Die Sachsen nahm den ersten Lotsen an Bord und begann den über 60 km langen Marsch flussaufwärts, dies bei gedrosselter Geschwindigkeit. Die diensthabende Wache auf der Brücke war nun besonders gefordert, denn der Schiffsverkehr nahm beträchtlich zu, der verfügbare Manövrierraum wurde enger und dies alles noch bei vorerst nebligem Wetter. Dies galt ganz speziell auf der Höhe von Brunsbüttel, dem Südausgang des Nord-Ostseekanal, einer der am meisten frequentierten künstlichen Wasserstrassen der Welt. Aber auch der Verkehr auf der Elbe wurde zusehends dichter. Sachte glitt die Fregatte backbords im Dunst an der Gorch Fock vorbei, die ebenfalls Kurs auf Hamburg steuerte. Besondere Aufmerksamkeit galt danach der Schiffsbegrüssungsanlage von Willkomm-Höft. Hier wird jedes grössere ein- und auslaufende Schiff mit dem Dippen der Flagge und dem Abspielen der Nationalhymen des jeweiligen Ursprungslandes begrüsst bzw verabschiedet. Im Falle der Sachsen war dies natürlich die deutsche Nationalhymne, Kapitän Krug und andere Besatzungsmitglieder erwiesen dazu auf der Backbordnock der Brücke der Sachsen ihre Referenz.

Kapitän Krug lässt seine wachhabenden Offizier selbständig handeln, er strahlt grosse Ruhe aus, ist aber höchst konzentriert und begleitet die Manöver aufmerksam. Dazwischen findet er immer wieder Zeit, den Besucher in die Geheimnisse der Fregatte und deren Rolle einzuweihen. Auch der 1. Offizier, Fregattenkapitän Pfennig, geniesst den kurzen Moment, in welchem er sich mit dem Gast über Clausewitz austauschen kann. Dann hat er sich all den anderen Aufgaben auf dem Schiff anzunehmen, um dem Kommandanten den Rücken für die wichtigsten Führungsaufgaben frei zu halten. Immerhin weilt in dieser Zeit auch eine Delegation des Bundeslandes Sachsen, angeführt von Innenminister Markus Ulbig, an Bord.



Nachdem das Schiff Blankenese, einen bekannten Vorort von Hamburg mit begehrter Wohnlage, passiert hatte, rückten auf der Steuerbordseite der
Sachsen die riesigen Werkhallen des Flugzeugbauers von EADS von Finkenwerder, mit eigener Schiffsanlegestelle und einem eigenen Grossflugplatz, ins Blickfeld. Und bald konnte man in der Ferne die riesigen Containeranlagen des Hamburger Hafens erkennen. Langsam näherte sich die Sachsen den Landungsbrücken und der riesigen Baustelle der Elbphilharmonie, jenes künftigen Konzerthauses, das von den Basler Architekten Herzog & de Meuron entworfen wurde und 2016 nach einigen Verzögerungen fertiggestellt wird. Das künftige Wahrzeichen der Stadt soll die Hamburger Steuerzahler anstelle der ursprünglich vereinbarten 575 Mio Euro nun angeblich deren 789 Mio Euro kosten.

Sechs Stunden dauerte die Fahrt elbeaufwärts bis die
Sachsen unter den Augen von vielen hundert Zuschauern und Touristen wendete und nun mit der Hilfe von zwei Schleppern sorgfältig ans Pier geschoben wurde und dort festmachte. Viele andere Schiffe, die als Gäste zum Hafenfest eingeladen waren, erreichten gleichentags Hamburg.

In unmittelbarer Nähe machte auch die Gorch Fock fest. Das unter Kapitän zur See Helge Risch stehende Ausbildungsschiff befand sich auf der Rückfahrt von einem mehrmonatigen Ausbildungstörn und nahm erstmals nach 1982 wieder einmal an einem Hafengeburtstag teil. Eine Woche später, am 18. Mai 2013, sollte sie von dieser 160. Ausbildungsreise nach einer zurückgelegten Distanz von 25’000 km in den Heimathafen von Kiel heimkehren. Dies, nachdem sie dort am 27. November 2012 aufgebrochen war und in zwei Ablösungen insgesamt 195 Kadetten und künftige Offiziere der deutschen Marine in der hohen Schule des Segelns und in andere Semmannskünste auf einer Grossbark ausgebildet worden waren.



1958 war die stolze, 1880 Tonnen verdrängende Dreimastbark
Gorch Fock bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut worden. Gorch Fock ist der Schriftstellername von Johann Kinau, der als Sohn eines Fischers 1880 geboren wurde, seine Geschichten der See und dem Leben der Seeleute widmete, bevor er als Matrose im Ersten Weltkrieg starb.



Für einen reibungslosen Betrieb an Bord sorgt die Stammbesatzung von 76 Seeleuten. Auf die Frage, ob diese Ausbildung auf einem Segelschulschiff noch zeitgemäss sei, antwortete Kapitän Risch seinen Besuchern gegenüber klar und überzeugend: Diese Ausbildung ist wertvoll, weil sie wie sonst nirgends die Teambildung fördert und weil sie die beste Möglichkeit bietet, dem künftigen Seeoffizier die Naturgewalten der Meere vor Augen zu führen. Auch spartanisches Leben wie das Schlafen in Hängematten gehört dazu. Nach einem tragischen Unfall an Bord im Jahre 2010 sind die vorgängige Ausbildung an der Marineschule in Mürwik und die Sicherheitsbestimmungen an Bord nochmals verbessert worden. Damals stürzte auf einer Ausbildungsfahrt nach Südamerika eine 25-jährige Kadettin aus der Takelage tödlich ab. Die Weiterexistenz des Schulschiffbetriebes stand damals auf der Kippe. Inzwischen haben aber Vernunft und Einsicht der politischen und militärischen Führung in Deutschland obsiegt, der Nutzen dieser Ausbildung wird erkannt.

Einer der Höhepunkte des Hamburger Hafenfestes ist jeweils die Einlaufparade vom Donnerstag, welche den Tagen der Offenen Tür des folgenden Wochenendes vorausgeht. Zu diesem Zwecke legen sämtliche Schiffe am Morgen ab, fahren elbeabwärts, wo sie sich nach vorgegebenem Plan zu Einlaufparade zurück nach Hamburg aufstellen. Angeführt wurde die Parade dieses Jahr von der
Gorch Fock, gefolgt von zahlreichen Schiffen aller Kategorien, unzähligen Kleinbooten und Yachten, vorbei an den mächtigen Kreuzfahrtschiffen Empress, Aida sol und der brandneuen, an diesem Wochenende in Hamburg getauften Europe 2. Eindrücklich sind immer wieder auch die Segelschulschiffe anderer Staaten, dieses Mal gehörten die prächtigen Segelschulschiffe Polens Dar Mlodziezy, Brasiliens Cisne Branco und Russlands Kruzenshtern dazu.

Wir hatten die Ehre, diese Einlaufparade an Bord der
Gorch Fock mitzuerleben. Zu diesem Zwecke waren wir von der Sachsen auf den Grosssegler umgestiegen. Trotz der starken Winde sollte das Schiff zumindest Teile seiner Segel setzen. Damit wurde auch dem Erwartungsdruck der hunderttausenden von Zuschauern entsprochen. Es war faszinierend zu sehen, wie die jungen Seeleute flink und gut gesichert in die Takelage kletterten, um dort die riesigen Segel zu setzen. Beeindruckend war dabei aber das eingespielte Team, in welchem jeder und jede sich auf die Arbeitsteilung und Unterstützung des anderen/der anderen verlassen können muss. Während der gesamten Parade war die Gorch Fock immer gut gesichert von zwei bereitstehenden Schleppern.

Für Kapitän Risch wie auch für Fregattenkapitän Krug waren vor allem die unzähligen Kleinboote auf der Elbe eine echte Herausforderung, denn deren Manöver waren nicht immer antizipierbar und entsprachen auch nicht immer den Regeln der Schifffahrt. Tatsächlich hätte man den Eindruck chaotischer Verhältnisse kriegen können: Hier die sauber in Kiellinie einlaufenden Schiffe, da die unzähligen kreuz und quer zirkulierenden Kleinboote, dort die kühn zirkulierenden Rundfahrtboote, und schliesslich alles noch herausgefordert von den regulär ein- und auslaufenden schwerfälligen Kreuzfahrt- und Containerschiffen. Für die Kapitäne Risch und Krug war es wohl ein beruhigender Moment, als sie ihre Einheiten sicher und unbeschadet an ihre Liegeplätze zurück gebracht hatten.

Nun galt es die Schiffe für den abendlichen Empfang und für die am Wochenende zu erwartenden zehntausenden von neugierigen Besucher herzurichten. An den
Open Ship Tagen schienen alle Schiffe eine grosse Attraktivität auf die Besucher auszustrahlen, vor allem aber übte die Gorch Fock eine besondere Magnetfunktion aus. Grosssegler dieser Gattung widerspiegeln offenbar am besten das Bild des “wahren” Schiffes und vermitteln zugleich die Faszination der Seefahrt, kombiniert mit der Sehnsucht nach der weiten Welt der Ozeane.

Der erste Abend war zahlreichen offiziellen Gästen, angeführt von Oberbürgermeister Rupert Scholz, gewidmet. Andere Gäste folgten den Einladungen der im Paket festgemachten
Sachsen und des hochmodernen britischen Zerstörers HMS Defender. Zufrieden mögen sich die zehntausenden von Zuschauern am Schluss ihrer Besichtigung diverser Schiffe, eines Besuchs der Festbuden und Imbisstuben auf den Heimweg gemacht haben. Viel freuen sich bereits auf die Neuauflage 2014. Inzwischen warten zahlreiche andere maritime Events an der Nord- und Ostseeküste Deutschlands auf eine grosse Besucherschar.

Die
Bromme Freunde und die Schweizer Gäste erinnern sich dankbar an die tollen Tage an Bord der Sachsen und der Gorch Fock. Sie danken herzlich für das Erlebnis sowie für die einmalige Gastfreundschaft der Kommandanten und aller Besatzungsangehörigen. Diese haben beste Werbung für die Sache Deutschlands und der Marine gemacht.

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Für die Hafenparade in Hamburg wird die Gorch Fock unter Segeln einlaufen. 

Hier klettern Angehörige der Besatzung in die Takelage.







Der brandneue britische Zerstörer HMS Defender, erst zwei 

Monate zuvor in Dienst gestellt, kehrt von der Einlaufparade 

in den Hafen von Hamburg zurück.







Die Bromme Gäste werden von Kapitän zur See Helge Risch 

auf dem stolzen Segelschulschiff der deutschen Marine
Gorch Fock begrüsst.






Die Mannschaft der Gorch Fock tritt zum Setzen der Segel in Aktion. 

Jede(r) Besatzungsangehörige ist mit einem speziellen Sicherheitsgurt

ausgerüstet. Körperliche Arbeit und Teamarbeit sind gefragt.





Nach der Einlaufparade hat die Fregatte Sachsen an der Überseebrücke im Hafen von Hamburg festgemacht. 

Für das Hafenfest ist das Schiff beflaggt.





Joachim Kaiser, der Vorsitzende der Bromme Gesellschaft, 

und Kapitän Helge Risch, Kommandant der Gorch Fock an Bord 

des Segelschulschiffes.








Der wachhabende Offizier und der Kommandant der Fregatte Sachsen, Fregattenkapitän Andreas Krug (rechts), auf der Brücke.









Die Fregatte Sachsen unterwegs in der Nordsee. 
Auf der Brücke stehen nur wenige Leute im Einsatz, so der Rudergänger (Mitte).









Die Sachsen auf der Elbe Richtung Hamburg. Gut erkennt man von vorne 
nach hinten drei Waffensystem des modernen Kriegsschiffes, nämlich das Vertikalstartsystem mit 32 Kanistern für Standard SM-2 Schiff-Luft-Flugkörpern, 
ein RAM-Luftabwehrsystem sowie den 76 mm Geschützturm.




Fotos: Autor



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