über die Person Carl Rudolph Bromme - Carl Rudolph Bromme Gesellschaft

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Karl Rudolf Brommy, eigentlich Carl Rudolph Bromme

Konteradmiral Karl Rudolf Brommy

(* 10. September 1804 in Anger; † 9. Januar 1860 in St. Magnus) war ein Marineoffizier und deutscher Konteradmiral. Er war Befehlshaber der ersten deutschen Reichsflotte.

Brommefleyer

Leben

Das Geburtshaus vom 1. Deutschen Admiral Carl Rudolph Bromme

Brommys Geburtshaus um 1900. Gedenktafel über der Toreinfahrt.
1929 abgerissen

Brommebildnis

Jugend und Ausbildung

Karl Rudolf war das fünfte Kind des Gerichtsschöffen Johann Simon Bromme (1758-1808) und dessen Frau Friederike Louise, geb. Berthold (1771-1806). Sein Geburtshaus[1] stand in Anger, einem Dorf bei Leipzig. Bereits im Kindesalter verlor er seine Eltern. Im Jahr 1818 erhielt er von seinem Vormund die Einwilligung, Seemann zu werden. Er lernte an der Navigationsschule Hamburg und trat danach auf der Brigg Heinrich seine erste Seereise an.

Dienst in ausländischen Marinen


Über die frühen Seefahrtsjahre Brommes nach Verlassen der Navigationsschule in Hamburg im Sommer 1820 gibt es nur lückenhafte Aufzeichnungen.[2] Mit der Brigg Heinrich machte er offenbar einige Reisen nach Mittelamerika. Nach eigenen Angaben heuerte er ab 1822 auf verschiedenen US-amerikanischen Segelschiffen an und wurde 1826 zum Captain befördert.[3] In dieser Zeit änderte er auch die Schreibweise seines Namens nach der englischen Aussprache in Brommy. Für seine angebliche Beteiligung am chilenischen und später am brasilianischen Befreiungskampf fehlen jegliche Belege.


Angeregt durch Berichte über Thomas Cochrane, den an diesen Freiheitskriegen beteiligten britischen Admiral, schloss sich Brommy 1827 den Griechen in deren Unabhängigkeitskrieg an. Von 1827 bis 1828 führte Cochrane die Griechische Marine im Kampf gegen die Türken und Ägypter. Brommy war, nunmehr im Rang eines Korvettenkapitäns, in seine Dienste getreten. Zunächst war er ab 27. April 1827 Erster Offizier der 64-Kanonen-Segelfregatte Hellas (ex. amerik. Hope), anschließend in gleicher Funktion auf der 26-Kanonen-Segelkorvette Hydra, mit der er an der Bekämpfung der Piraterie im Archipel und an der Ausräucherung der Piratenhochburg Grabusa beteiligt war. Am 11. Juni 1828 wurde Brommy zum Fregattenkapitän befördert und Kommandant der 8x64-Pfünder-Raddampf-Korvette Enterprise (gr.: Epicheiresis), einem Schwesterschiff der von Fregattenkapitän Frank Hastings kommandierten und durch ihn berühmt gewordenen Radkorvette Karteria. An der Seeschlacht von Navarino am 20. Oktober 1827, bei der eine britisch-französisch-russische Flotte über die Türken und Ägypter siegte, hatte kein griechisches Kriegsschiff teilgenommen, also auch nicht Brommy. Im Geschwader des griechischen Admirals Miaoulis nahm Brommy an Kämpfen vor Preveza (Golf von Arta) teil und war an der Eroberung von Messolongi beteiligt.

Flagge der Deutschen Reichsflotte

1831 verließ Brommy das Land und unternahm wissenschaftliche Reisen durch Frankreich, England und Deutschland. Anschließend kehrte er nach Sachsen zurück. In Meißen veröffentlichte er unter dem Pseudonym R. Termo einen autobiographischen Roman. 1832 wurde der bayrische Prinz Otto von Wittelsbach als Otto I. König von Griechenland. Der griechischen Delegation unter Admiral Miaoulis, die den König von München in sein neues Reich begleiten sollte, schloss sich auch Brommy an.

Er wurde am 16. November 1832 wieder in seinem alten Dienstgrad Offizier der griechischen Marine. Gleichzeitig wurde er Kommandant eines alten Raddampfers, der Hermes und ein halbes Jahr später auf dessen Schwesterschiff Mercur.
Zugleich war Brommy Mitglied einer Marinekommission, Hafenkapitän und später Präfekt der von König Otto I. eingerichteten Seepräfektur in Poros[4]. Diesen Dienstposten musste er 1835 wieder verlassen, nachdem er durch ein Kriegsgerichtsverfahren zu 4 Monaten Arrest und 60 Drachmen Geldstrafe verurteilt wurde. Er hatte in Notwehr einen Unteroffizier geohrfeigt.[2]


Kriegsschiff

Während der folgenden Dienstzeit im Marineministerium erstellte Brommy einen neuen Organisationsplan für die griechische Marine. Später wurde er stellvertretender Kommandeur der Militärschule zunächst in Ägina, dann in Piräus. Sein Wunsch nach Einrichtung einer eigenen Marineschule ging während seiner Dienstzeit in Griechenland

für ihn nicht in Erfüllung. Nach seinen Vorstellungen sollte eine Marineschule auf einem Schiff eingerichtet werden, um der Praxis auf See so nahe wie möglich zu sein. In mehreren Vorträgen vor König Otto warb Brommy für seinen Gedanken, jedoch ohne Erfolg. Selbst als 1848 der griechische Korvettenkapitän Leonid Palaskas die gleiche Idee hatte und sogar auf der Fregatte Ludovicos probeweise eine schwimmende Marineschule einrichtete, scheiterte er am Widerstand der griechischen Marineführung.

Nach einem erneuten Aufruhr im Jahre 1843 bezüglich einer neuen Verfassung mussten alle Fremden das Land verlassen, doch Brommy durfte wegen seiner Verdienste bleiben. Er wurde zwar zur Disposition gestellt, zugleich aber zum Mitglied des Marinegerichts ernannt, das er zeitweise als Erster Vorsitzender führte. Angeblich soll sich Brommy[5] ab diesem Datum vorwiegend in Berlin aufgehalten haben.



Aufbau deutscher Seestreitkräfte

1845 bewarb sich Brommy mit einem Gesuch an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. um die Übernahme in die preußische Marine, das jedoch abgelehnt wurde. Die Veröffentlichung seines Lehrbuches Die Marine - eine gemeinverständliche Darstellung des gesamten Seewesens für Gebildete aller Stände erfolgte 1849 in Berlin. In Folge der revolutionären Ereignisse von 1848 wurde in den deutschen Staaten der Ruf nach einer eigenen Flotte lauter. In einem Schreiben an den Präsidenten der Frankfurter Nationalversammlung, Heinrich von Gagern, vom 23. Juli 1848 bot Brommy seine Hilfe beim Aufbau der deutschen Reichsflotte an. Er wurde im Antwortschreiben vom 4. November 1848 von Handels- und Marineminister Arnold Duckwitz aufgefordert, nach Frankfurt am Main zu kommen, wo Brommy Anfang des Jahres 1849 eintraf. Brommy hatte von seinem griechischen König einen sechsmonatigen Urlaub erhalten, während dessen er sich entscheiden konnte, ob er in Deutschland bliebe oder nach Griechenland zurückkehren wolle. Brommy entschied sich fürs Bleiben und reichte am 19. April 1849 sein Abschiedsgesuch beim griechischen König ein.

Zunächst arbeitete Brommy in der technischen Marinekommission der Marineabteilung. Nachdem deren Leiter, Prinz Adalbert von Preußen, vom preußischen König aus dieser Position abberufen worden war, übernahm Brommy dieses Amt.


Spätere Jahre

Seinen Abschied erhielt Konteradmiral Brommy am 30. Juni 1853. Vom deutschen Bund wurde ihm eine einmalige Abfindung von 2500 Talern zugebilligt. Erst später wurde ihm eine monatliche Pension von 125 Talern für die Dauer seiner Nichtbeschäftigung zugestanden. Seine Bewerbung bei der preußischen Marine wurde abgelehnt. Im Juni 1857 übernahm Brommy eine Stelle als technischer Referent in der österreichisch-ungarischen Marine in Mailand, musste diese Tätigkeit aber nach wenigen Monaten wegen seines schlechten Gesundheitszustandes wieder aufgeben. Mit seiner Frau und seinem Sohn Carl Traugott Gerhard lebte er enttäuscht und zurückgezogen in St. Magnus bei Bremen, wo er am 9. Januar 1860 starb und ihm in jüngster Zeit ein Denkmal am Ufer der Lesum errichtet wurde. In die schwarz-rot-goldene Flagge seines Flaggschiffs „Barbarossa“ gehüllt, wurde sein Sarg auf dem Dampfer Merkur auf den Friedhof des Dorfes Kirchhammelwarden (heute Stadtteil von Brake) zur Beisetzung übergeführt.

Ein Gedenkstein auf seinem Grab trägt die Inschrift:

„Karl Rudolf Brommy ruht in diesem Grabe,
Der ersten deutschen Flotte Admiral.
Gedenkt des Wackren und gedenkt der Zeiten,
an schöner Hoffnung reich und bittrer Täuschung,
Und welche Wendung dann durch Gottes Fügung.“

Brommy galt als liberaler Schöngeist, der sich nicht nur als Marineoffizier, sondern auch als Schriftsteller und Komponist betätigte.


Erinnerung an Brommy

Brommebüste
Brommedenkmal

Admiral-Brommy-Büste im Knoops
Parkin Bremen St. Magnus


Bromme-Denkmal in der Nähe
seines ehemaligen Geburtshauses in
Leipzig-Anger-Crottendorf


Denkmale

  • Grabdenkmal auf dem Friedhof von Brake-Kirchhammelwarden, 1904 neu gestaltet durch den Bildhauer Roland Engelhard

  • Admiral-Brommy-Büste im Knoops Park in Bremen St. Magnus

  • Brommedenkmal an der Breiten Straße in Leipzig in der Nähe des ehemaligen Standorts seines Geburtshauses


Museum

  • Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser in Brake mit Sammlungsschwerpunkt Admiral Brommy


Straßen und Plätze

Nach Karl Rudolf Brommy wurden mehrere Straßen und Plätze benannt:

  • Die Brommybrücke über die Spree in Berlin zwischen den Brommystraßen von Kreuzberg (hier mit der Widmung am Straßenschild: „erster Admiral“) nach Friedrichshain.[6]

  • Der Brommyplatz in Bremen im Ortsteil Peterswerder im Stadtteil Östliche Vorstadt.

  • Der Admiral-Brommy-Weg in Bremen, in den Ortsteilen St. Magnus und Lesum im Stadtteil Burglesum.

  • Die Brommystraße in Bremerhaven (Ortsteil Geestemünde)

  • Die Brommystraße in Wilhelmshaven mit angrenzendem Park Brommygrün.

  • Die Brommystraße (seit 1908) in Oldenburg, Stadtteil Nadorst.

  • Die ehemalige Brommestraße in Leipzig (1885–1950, jetzt Harnackstraße).[7]

  • Die Brommystraße in Brake/Unterweser, führt vom Hafen zur ehemaligen Brommy-Kaserne (Marine-Ausbildungsbataillon 4).


Schiffe

  • Die Tecklenborg-Werft in Geestemünde lieferte 1851 die Bark Admiral Brommy (1851) ab.

  • Die Werft der Gebrüder Gross in Hammelwarden, Schwager von Brommy, lieferten 1860 die Bark Admiral Brommy (1860) ab.

  • Die Kriegsmarine benannte am 26. November 1937 das ehemalige Minensuchboot M 50 in Brommy um und setzte es als Räumbootbegleitschiff ein.

  • 1938 wurde der ehemalige US-amerikanische Frachter Nawitka (Baujahr 1919, Größe 3.550 t, National Shipbuildung, Orange (Texas), vom Norddeutschen Lloyd als Ausbildungsschiff Admiral Brommy in Dienst gestellt. Es fiel am 16. Dezember 1943 in Bremen-Holzhafen einem Bombenangriff zum Opfer.

  • In der Bundesmarine gab es von 1959 bis 1965 die Schulfregatte Brommy.



Kaserne

  • Die ehemalige Admiral-Brommy-Kaserne in Brake (Unterweser), 1936 erbaut, bestand bis 1997



Gaststätten

  • Im Bremer Stadtteil Östliche Vorstadt (Ortsteil Peterswerder) besteht die nach ihm benannte Kneipe Brommy.



Gesellschaft

  • Im August 2009 wurde die Carl Rudolph Bromme Gesellschaft Leipzig e. V. gegründet.[8]



Literatur

  • 1939 veröffentlichte der Schriftsteller Adolf Lindemann im Kölner Karl Schroeder-Verlag über Brommy den historischen Roman Deutschlands erster Admiral.



Film

  • Brommy, dargestellt durch Herbert Hübner, spielt eine wichtige Rolle in dem Propagandafilm Geheimakte W.B.1 von Herbert Selpin (D 1941); einer Biographie über den U-Bootkonstrukteur Wilhelm Bauer.[9]



Verweise

Weblinks

Commons: Karl Rudolf Brommy
– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

  • Literatur von und über Karl Rudolf Brommy im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

  • Artikel über Karl Rudolf Brommy in der Preußischen Allgemeinen Zeitung

  • Vortrag von Albrecht Eckhardt: Brake, Brommy und die Bundesflotte beim Schifffahrtsmuseum Brake

  • Website der Stadt Brake

  • Konteradmiral Karl Rudolf Brommy

  • Sammlungsschwerpunkt Admiral Brommy beim Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen

  • Weserhäfen in Brake e.V.

  • Freilichttheater 1998 in Brake

  • Angaben zum Ausbildungsschiff Admiral Brommy (ex Nawitka) [1]



Literatur

Sachbücher

  • Eilhart Eilers: Rudolf Brommy. Der Admiral der ersten deutschen Flotte 1848, Dresden 1939.

  • Wolfgang Petter: Admiral Brommy in der Literatur. Wie stehen sie zueinander: Dichtung und Wahrheit, Tradition und Geschichte? In: Schiff und Zeit 12 (1980), S. 12-22.

  • Albrecht Eckhardt: Brake, Brommy und die Bundesflotte, in: Albrecht Eckhardt/Wolfgang Günther/Friedrich-Wilhelm Schaer/Heinrich Schmidt/Friedrich-Wilhelm Winter (Hg.).: Brake. Geschichte der Seehafenstadt an der Unterweser, Oldenburg 1981, S. 156-175.

  • Albrecht Eckhard/Detlev G. Gross: Brommy und Brake, Oldenburg 1998.

  • Claus Uhlrich: Carl Rudolph Brommy. Der Admiral der ersten deutschen Flotte. Semikolon-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-934955-02-9

  • Originaldokumente Brommys und sein Copierbuch für die Jahre 1828–1849, im Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Weserhäfen in Brake e.V. (Schiffahrtsmuseum Brake); Übersetzungen daraus.

  • Erwin Wagner: Carl Rudolph Brommy (1804–1860) als Marineoffizier in Griechenland (1827–1849). Isensee-Verlag, Oldenburg 2009, ISBN 978-3-89995-605-4

  • Jan Murken u.a.: König-Otto-von-Griechenland-Museum der Gemeinde Ottobrunn. Weltkunst-Verlag, München 1995 (Bayerische Museen; Bd. 22)

  • Bernhard Zebrowski: Brommy, Admiral ohne Flotte. Die erste Reichsmarine von 1848. Neff Verlag, Berlin 1943

  • Carsten Jöhnk (Hrsg.): Ein Sachse erobert die Welt. Admiral Brommy zum 200. Geburtstag. Schiffahrtsmuseum, Brake 2004, ISBN 3-926294-15-9 (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung).

  • Stichwort: Räumbootbegleitschiffe. Brommy (M 50/M 550), in: Hans Hildebrand/Albert Röhr/Hans Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien - ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart, sieben Bände in einem Band, 3. Aufl. Herrsching ca. 1984, Bd. 7, S. 74f.

  • Hedwig Schultz: Ein Kranz der Erinnerung um das Bild des Großonkels Brommy. Aus vergilbten Familienbriefen und Erzählungen aus der Kinderzeit zusammengefügt, Rittetgut Schmölen bei Wurzen o.J. (1904).

  • Antonio Schmidt-Brentano: Die Österreichischen Admirale Band I: 1808-1895, S. 133 f., Biblio Verlag - Osnabrück 1997 ISBN 3-7648-2511-1.



Belletristik

  • Heinrich Zerkaulen: Admiral Brommy. Schauspiel in 5 Akten. Verl Dietzmann, Hamburg 1972.

  • Ingo Sax: Brommy, die Freiheit der Meere. Niederdeutsche Bühne, Brake 1998.

  • Erich zu Klampen: Brommy. Weihespiel für deutsche Einheit, deutsche Freiheit, deutsche Flagge, Brake 1954.



Aktualisiert am: 07.12.2017
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