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Carl Rudolph Bromme
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Erlebnisbericht von Herrn Dipl. Ing. Maerten Borvitz Leipzig, 11.02.2013

Carl Rudolph Bromme Gesellschaft
Herausgegeben von in Algemein ·

Besuch auf U32

Anruf eines Freundes: „Hast Du Interesse ein aktives U-Boot zu besichtigen?“ „Na klar!!“ Als sächsischer Maschinenbau-Ingenieur hatte ich bisher nur wenig Kontakte zu maritimer Technik. Einzig Besichtigungen des deutschen Laboe-Denkmals und eines russischen U-Bootes aus den 50’er Jahren in Peenemünde sind meine Wissensbasis.

Die knappen Vorabinformationen lassen erste Zweifel an der Einladungsrealisierung aufkommen. „U32“ besichtigen? Ist das nicht das deutsche High-Tech-Boot, nach dem die halbe Welt giert? … das mit einem der bisher wenigen, praxistauglichen Brennstoffzellen arbeitet? … auf dem ein besonderer Geheimnisschleier liegt? …und dieses Boot soll ich kennenlernen? … einen Tag vor Auslaufen zu einem mehrmonatigen Manöver?

Endlich Abfahrt Richtung Ostsee-Marinehafen Eckernförde. Im dortigen Marinestützpunkt sind schon Einbettzimmer reserviert. Schlichte, saubere Soldatenunterkunft. Dann 1600 Treff an der Pier. Es ist saukalt. Ein sympathischer Offizier im blauen Marine-Parker stellt sich vor. Er wird uns führen. Erste Erläuterungen vor der vertäuten „U 32“. Der Bootskörper, zumindest was über der Wasseroberfläche zu erkennen ist, eher unspektakulär. Relativ klein, antrazitfarben, keinerlei Kanten, Höhenruderflossen am Turm, X-Ruder am Heck.

Über eine schmale Rollbrücke geht es an Bord. Erst jetzt schwinden meine letzten Bedenken, möglicherweise nur „mal einen Blick“ aufs Äußere genehmigt zu bekommen. Mir dämmert langsam, dies alles habe ich nur dem Organisator, Herrn Joachim Kaiser, Vorsitzender der Leipziger Bromme-Gesellschaft, zu verdanken (Carl Rudolph Bromme, 1804 geboren in Leipzig, Gründer der ersten deutschen Reichsflotte).

Ein enger Schacht mit fest verankerter Stahltrittleiter lässt uns ins Innere. Angenehme Temperatur und nicht erwartete Stehhöhe empfängt uns. Nun gleiten die Augen erstmals über modernste U-Boot-Technik. Jede Menge an Kabel, Leitungen, Ventile, analoge und digitale Anzeigen, militärische Computer, Handräder usw., fast alles unverkleidet. Kommunikationsgeräte, Bildschirme, Navigationshilfsmittel. Und das alles sinnvoll verknüpft. Um ehrlich zu sein, 90% der sichtbaren Technik kann von einem Laien nicht auf Anhieb interpretiert werden. Man ahnt und spürt: Deutsche Ingenieurskunst.

Alles pieksauber. Aber auch Bananenbündel auf Wäscheleinen, Getränkeflaschen und Trocken-Lebensmittel in Deckennetzen. Dusche, Waschgelegenheiten, Küche, Kühlraum; sicherlich alles räumlich optimiert, aber es erweckt nicht den Eindruck einer „alten Knastzelle“. Weitere und umfangreichere Schilderungen, auch in Bezug auf die technischen Großaggregate im Boot, sind wesentlich präziser im Internet nachzulesen.

Sonntag, Frühstück im Stützpunkt-Restaurant. Ab 0930 Verabschiedung zum Flottenmanöver, Kurs US-Ostküste. Erstmals fährt ein modernes U-Boot der Klasse 212A über den Atlantik. Ein letztes Lebewohl der Familienangehörigen und daheimbleibenden Kameraden an die Besatzung Delta. Militärisch kurze Ansprache des Kommandeurs. Dann „Leinen los“ und absolut geräuschlos gleitet „U 32“ aus dem Hafen. Manch einer ist emotional ergriffen. Einer ruft noch „Gute Fahrt und fette Beute!“

M.B., Leipzig




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